Darlehen an nahe Angehörige: Versteuerung der Einnahmen

Darlehen an nahe Angehörige: Versteuerung der Einnahmen

Ein Darlehen der Eltern an den Sohn, fremdübliche Verzinsung und vertragsgemäße Tilgung – da sollte es doch steuerlich keine Probleme geben?! Doch, gibt es: Die Abgeltungsteuer sorgt mal wieder für Irritationen. Lesen Sie hier, worüber das FG Niedersachsen jetzt entscheiden soll.

Das hohe fünfstellige Darlehen wurde mit 5% Zinsen p.a. gewährt, der Sohn zahlt pünktlich Zinsen und Tilgung. Die Eltern wollen die Zinseinnahmen mit dem pauschalen Abgeltungsteuersatz von 25% versteuern. Das Finanzamt will mehr: Es wendet den persönlichen Steuersatz der Eltern an, der bei 42% liegt.

 

Den Grund dafür sieht das Finanzamt in der Verwendung des Darlehens: Der Sohn hatte mit dem Geld eine Immobilie erworben, die er fremdvermietete. Unter Berufung auf § 32d Abs. 2 Nr. 1 Buchst a EStG versagte das Finanzamt die pauschale Versteuerung. Denn § 32d Abs. 2 Nr. 1 Buchst a EStG schließt die Versteuerung mit der Abgeltungsteuer aus,

  • wenn Gläubiger und Schuldner einander nahe stehende Personen sind, und
  • die den Kapitalerträgen entsprechenden Aufwendungen beim Schuldner Betriebsausgaben oder Werbungskosten im Zusammenhang mit Einkünften sind, die der inländischen Besteuerung unterliegen.

Beides ist hier der Fall. Das Groteske daran: Hätte der Sohn das Geld beispielsweise für eine Urlaubsreise ausgegeben, dann würde den Eltern die pauschale Versteuerung mit 25% zustehen – denn es fehlt an der zweiten Voraussetzung des § 32d Abs. 2 Nr. 1 Buchst a EStG.

Darf es also wirklich sein, dass die steuerliche Behandlung der Zinseinnahmen bei den Eltern abhängig ist davon, wie der Sohn das Darlehen verwendet? Mit dieser Frage beschäftigt sich jetzt das FG Niedersachsen (Az. 15 K 417/10).

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