Jeder Vierte wartet länger als drei Wochen auf Facharzttermin

Lange Wartezeiten vor allem auf einen Termin beim Facharzt sind nicht nur nervig, sie können auch die Gesundheit der Patienten gefährden. Eine zentrale Servicestellen zur Terminvergabe halten die Kassenärzte trotzdem für überflüssig.

62 Prozent der Deutschen erhalten innerhalb von drei Tagen einen Arzttermin. Dabei sind lange Wartzeiten weiterhin vor allem ein Problem von Kassenpatienten. So warteten 13
Prozent der gesetzlich Versicherten länger als drei Wochen auf einen Termin, von den Privatversicherten hingegen nur 5 Prozent. Für gesetzlich und privat Versicherte ist vor allem bei Fachärzten Geduld gefragt. 24 Prozent von ihnen warten länger als drei Wochen auf eine Behandlung. Das ist das Ergebnis einer Studie der Forschungsgruppe Wahlen im Auftrag der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), die am Mittwoch in Berlin präsentiert wurde. Für die KBV-Studie wurden im April und Mai 6000 Bundesbürger befragt.

Servicestellen zur schnelleren Terminvergabe für gesetzlich Versicherte, die die Bundesregierung geplant, haben laut Studie 36 Prozent gehört. Zwei Drittel empfänden eine zentrale Vergabestelle als gut. Nur 30 Prozent seien aber der Meinung, dass sich dadurch Wartezeiten verkürzen ließen. Die Kassenärzte schließen daraus, dass in der Bevölkerung kaum ein Bedarf für ein solches Angebot besteht. Die Ärzte lehnten eine zentrale Lösung auch deswegen ab, weil damit die Arztfreiheit aufgehoben werde, sagte Andreas Gassen, Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung. Eine solche zentrale Lösung laufe dem Wunsch von 72 Prozent der Bürger zuwider, „nicht zu irgendeinem, sondern zu ihrem Wunscharzt“ gehen zu wollen. Eine zentrale Terminvermittlung könne solche Wünsche nicht berücksichtigen.

Union und SPD planen, dass sich Patienten bei überlangen Wartezeiten an eine Servicestelle der Kassenärztlichen Vereinigung wenden können. Kommt ein Termin beim Facharzt dennoch nicht binnen vier Wochen zustande, erhalten sie das Recht, die Behandlung ambulant im Krankenhaus vornehmen zu lassen. Das Gesamthonorar der niedergelassenen Ärzte wird dadurch gekürzt.

Quelle: faz.net mit Reuters