Mitwirkungspflicht bei Auslandsreisekrankenversicherung

Mitwirkungspflicht bei Auslandsreisekrankenversicherung

 

Sofern bei einer Erkrankung im Ausland die Notrufzentrale der Versicherung nicht verständigt wird, muss der Versicherungsnehmer beweisen, dass und woran er tatsächlich erkrankt ist und dass die medizinische Behandlung notwendig war (Amtsgericht München, Urteil 27.2.2013 – 273 C 32/13, rkr.).

Sachverhalt: Der Kläger hat eine Auslandsreisekrankenversicherung bei einem Versicherungsunternehmen mit Sitz im Landkreis München abgeschlossen. Entsprechend den Versicherungsbedingungen ist im Krankheitsfall die Notrufzentrale zu verständigen, so dass der medizinische Dienst der Versicherung die Behandlung begleiten und den Rücktransport nach Deutschland organisieren kann. Auf einer Urlaubsreise in Kamerun erkrankte der Kläger an Bauch- und Magenkrämpfen mit Erbrechen und Durchfall und erlitt einen Kreislaufzusammenbruch. Er wurde von Verwandten und Bekannten in die örtliche Klinik verbracht und dort eine Woche stationär behandelt. Aufgrund seines Zustands konnte er die Notrufzentrale der Versicherung nicht verständigen. Die Krankenhauskosten betrugen 3.265 €. Der Kläger verlangt mit seiner Klage von der Versicherung den Ersatz der Kosten. Er legte die Rechnung und Unterlagen über die verabreichten Medikamente und Laboruntersuchungen vor. Er gibt an, weder Arztbrief noch medizinische Unterlagen wie CT Bilder, Laborbefund, EKG-Streifen- Ultraschallbilder etc. beibringen zu können, da diese von der Klinik in Kamerun nicht herausgegeben würden.

Hierzu führt die Richterin des AG München weiter aus:

  • Die Klage ist unbegründet.
  • Zwar hat die Versicherung nach dem Auslandsreisekrankenversicherungsvertrag die Kosten der notwendigen Heilbehandlung bei einer akut eintretenden Krankheit auf einer Reise im Ausland zu erstatten.
  • Der Kläger konnte jedoch nicht beweisen, dass die Voraussetzungen des Versicherungsfalls eingetreten sind, da er die Notrufzentrale nicht eingeschaltet hat, die deshalb die medizinische Behandlung des Klägers im Ausland nicht begleiten konnte.
  • Der Kläger hätte über seine Bekannten und Verwandten oder jedenfalls, als es ihm wieder besser ging, selbst die Notrufzentrale einschalten können.
  • Allein die Vorlage der Krankenhausrechnung nebst weiteren Unterlagen reicht nicht aus, wenn daraus keine Diagnose erkennbar ist und insbesondere auch nicht, weshalb die in Rechnung gestellten Medikamente, Laboruntersuchungen und weiteren Untersuchungen medizinisch notwendig waren.
  • Diese Angaben sind jedoch erforderlich, damit die Versicherung ihre Einstandspflicht überprüfen kann.

Quelle: AG München, Pressemitteilung v. 3.3.2014

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